Am Ende der Welt einfach geradeaus…
Um der Chronologie komplett nachzugehen, muss man zurück in den Februar schauen. Da bekam ich auf der Arbeit eine SMS aus Großbritannien mit der Frage: Willst du mit zum Eishockey? Länderspiel Deutschland-Norwegen in Crimmitschau. Die SMS konnte nur von einem gewissen Henning kommen und nun hatte ich stundenlang Zeit, mir Gedanken zu machen, wo dieser Ort nun liegt, der mir bis dahin mit der Eingrenzung „Großraum Sachsen“ bekannt war. Ein Grund, den Ort mal im Internet durch eine bekannte Suchmaschine zu suchen. Die Feststellung der Lokalität war ebenso günstig wie überraschend. 10 Kilometer entfernt von Glauchau. Ja, ich lerne meinen Wohnort, den ich, Gott sei Dank, bald verlasse, kennen.
Am 16. April sollte nun das Spiel stattfinden. Nachdem ein ungenannter Potsdamer in Chemnitz abgeholt werden wollte, waren Glauchau und eben Crimmitschau so das Tagesprogramm. Nach der Besichtigung des… nennen wir es im Umbau befindlichen Bahnhofes ging es nun nach Glauchau, wo Mitbewohner geweckt wurden und das erste Bier des Tages geöffnet werden musste. Gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Weg, natürlich nicht ohne vorher bei McDonalds einzukehren. Dafür war ein Umweg über Meerane vonnöten, da Glauchau nicht über eine eigene Filiale der Fast-Food-Kette verfügt. Nachdem sämtliche Wraps an dem Ort angekommen waren, wo sie hingehörten, ging es auch für uns nun darum, die richtige Lokalität zu erreichen. So groß ist Crimmitschau ja auch nicht.
Hilfreich war die Ausschilderung, da es doch nicht das einzige Gebäude der großen Kreisstadt ist. Der Parkplatz war zwischen einer Industrie-Ruine und mehreren seit Jahrzehnten unbewohnten Häusern, was eine spontane Frage aufkommen ließ: “Wo soll hier ´ne Eishalle sein?” Der ETC Crimmitschau bot allerdings Shuttlebusse an, zumindest einen. Der Weg wäre auch sehr weit gewesen zu Fuß. Dafür hätte man um die 30 Minuten einplanen müssen. Eindeutig zu viel. Am Ausstieg sah es immerhin schon mehr nach einem Länderspiel aus. Das ganze Dorf war auf den Beinen und wohl noch einige weitere Besucher von auswärts. Die Halle hingegen machte keinen guten Eindruck. Es war eine überdachte Eisfläche mit Zuschauerrängen. Von Wänden konnte man nicht sprechen. Dafür war es gut gefüllt. Um die 5164 Zuschauer wollten das dritte Länderspiel in der sächsischen Metropole verfolgen.
Ein Block war freigehalten für eine kleine Pyrotechnikeinlage. Was manch einen dazu veranlasste, “Pyrotechnik ist kein Verbrechen!” zu skandieren. Um Polizeiermittlungen zu verhindern, werden hier keine Namen genannt. Dann begann das Singen der Nationalhymne, für einige ein sehr emotionaler Moment. Positiv dabei hervorzuheben ist die kleine aber sehr feine Choreo der Eishockeyfans uns gegenüber. Mit viel Feuer wurde von offizieller Seite das Spiel eingeleitet. Pyrotechnische Gegenstände, die wohl bei anderen Sportereignissen als schwere Ausschreitungen gelten würden.
Während Norwegen sich erstmals dem deutschen Tor annäherte, sorgte vor uns Urmel, Maskottchen der Weltmeisterschaft, für Stimmung. Auf dem Eis eine sehr umkämpfte Partie, in der Deutschland die erste Strafzeit bekam. Das erste Drittel sollte torlos bleiben, was nicht wirklich förderlich für die Attraktivität der Partie war. Dabei zeigte sich auch die Schwäche der Stehplätze. Nach wenigen Minuten schmerzten selbst Stehplatzdauerbesuchern die Füße. Vielleicht war doch das falsche Material in der Halle verwendet worden. Aber Asbest zumindest war noch keiner zu sehen. Ob die Kälteanlage noch mit FCKW betrieben wurde, konnte in der Kürze der Zeit allerdings nicht geklärt werden.
Die Pause des Drittels bot dann den ersten Augenschmaus in Form von einer Eislaufkür einer Chemnitzer Cherleader-Gruppe. Dann wurde (leider) wieder Eishockey gespielt und Deutschland spielte nun auf das Tor in unsere Richtung, wobei wir bessere Sicht auf die Tore hatten. Dabei bemühten sich vor allem die Sportfreunde Michael Wolf, Andre Rankel und Christoph Gawlik mit Toren, die Vertretung von FM-Arena gut zu unterhalten. Das Rufen des Spielstandes sorgte noch für Gänsehautathmosphäre, während das „Viel zu viel, scheiß Nation“ nur von wenigen zu hören war. Leider war die große Masse der Fans nicht so textsicher. Das Norwegen noch durch Tore von Solveig Kleven mal herankommen konnte, blieb der Traum eines MS-Autors. Hier möchten wir noch ein Teammitglied grüßen. Denn Barta konnte heute kein Tor erzielen, was unsern Grafiker sicher ein paar Tränen gekostet haben dürfte.
Damit war das zweite Drittel auch schon wieder zu Ende und es kam zu kleinen Spielchen auf dem Eis in der Pause, die allerdings aufgrund wichtiger Informationsbeschaffung nur Randnotiz war. Denn Babelsberg konnte zu Hause Wilhelmshaven besiegen, unter anderem auch ein Tor von Frahn. Warum gerade Babelsberg? Ein Blick in andere Artikel des Blogs sollte Auskunft über diese Frage geben. Nach der Pause kam DEB-Maskottchen Uwe Krupp wieder an uns vorbei. Doch zu Fotos stand er nicht zur Verfügung oder bückte sich eben schnell weg, damit keines der Fotos von ihm im Blog erscheinen kann. Als Ersatz konnten wir allerdings Urmel gewinnen:
Im letzten Drittel passierte auf dem Eis nicht mehr viel, abseits dafür umso mehr. Denn die falschen Fangesänge wurden durch Textkenner wieder ausgeglichen und die doch recht kühlen Temperaturen brachten nicht unbedingt eine gesteigerte Stimmung. Somit wartete man die letzten 20 Minuten eher ab, um endlich „Sieg!“ skandieren zu dürfen. Auch das Maskottchen vom ETC Crimmitschau und Urmel durften nach der Schlusssirene aufs Eis, wobei sich besonders das WM-Maskottchen zum Publikumsliebling aufspielte. Die Rollen auf dem Eis waren einfach zu witzig, fast so wie ein Akteur der Norweger zu Beginn, den es keine zwei Meter auf dem Kunsteis gehalten hatte. Vielleicht sollte er auch die Eisprobe für den Norwegischen Verband besorgen, um das Ergebnis des Freundschaftsspieles zu annullieren. Als die Spieler verschwanden, konnten die Fans das nicht akzeptieren und so kam das deutsche Team noch mal aufs Eis um den Sieg mit einem “Uffta” zu feiern.
Danach war das Event vorbei und es blieb nur die Suche nach dem Shuttlebus, die sich als schwierig herausstellte. Denn so einfach wie zur Eishalle ging es nicht zurück zum Parkplatz. Vom Bus keine Spur. Aber Warten ist besser als Laufen, auch da es mehr als zwei Straßen in Crimmitschau gibt. Trotzdem, große Lust, am Ende der Welt zu übernachten, hatten weder Henning noch ich. Glücklicherweise fand nach 20 Minuten Warten doch noch ein Bus die Straße, auf der sich mittlerweile kaum noch ein Eishockeyfan befand. So kehrte in Crimmitschau wieder Ruhe ein und wir fanden doch wieder zurück nach Glauchau. Vom Spiel her gesehen, kann die Eishockey-WM in Deutschland nur ein Erfolg werden, solange man diese nicht am Abschneiden der Nationalmannschaft bewertet. Auf Schalke beginnt das Turnier, das vom 7. Bis zum 23. Mai geht. Wir hoffen, ein wenig Interesse daran geweckt zu haben, auch wenn zu Erlebnissen wie in Crimmitschau die besten Fans sicher fehlen werden.
Autor: Tom1989
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