Deutschland „freut sich hart“ auf den ESC

Gerade eben hat Moderator Matthias Opdenhövel den letzten Kandidaten in der ersten Show von „Unser Star für Oslo“ aufgerufen, der Vorstellungstrailer wird eingespielt. Mit einem verschmitzten Lächeln grinst eine junge Dame in die Kamera. Sie stellt sich vor: „Hallo! Ich heiße Lena, bin 18 Jahre alt und komme aus Hannover.“ Bis dahin war die Show ein bisschen zäh vonstatten gegangen, schleppte sich von Kandidat zu Kandidat, manch ein Zuschauer hat sich zu diesem Zeitpunkt vielleicht auch schon endgültig zu RTL verabschiedet. Bis zu diesem Moment, in dem dieses braunhaarige, unscheinbare Mädchen die Bühne betritt. Und einfach anfängt zu singen. Aber dieses Mal ist es etwas Besonderes, dieser Auftritt ist anders als alle anderen. Schon bei der Liedauswahl. Wer kennt bitte „My Same“ von „Adele“? Trotzdem hört es sich irgendwie sehr gut an. Drei Minuten lang scheint man alles um sich herum zu vergessen, sieht wie gebannt auf den Bildschirm. Tanzen kann sie auch. Zwar ein sehr seltsamer Stil, aber auf eine besondere Art passend zum Gesang. Nach dem Auftritt schreit sie ins Mikrofon „Ich freu’ mich so hart!“. Der Auftritt holt auch die Jury aus ihrem Tiefschlaf. Stefan Raab fühlt sich „geflasht“, Marius-Müller Westernhagen prophezeit der 18-jährigen, dass „Menschen sie lieben werden“. „Geflasht“ ist auch der geneigte Zuseher. Man will wissen: Wer ist dieses Mädchen? Es heißt Lena Meyer-Landrut. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung, Hannovers größte Tageszeitung, stellt Lena direkt auf die Titelseite. Später wird bekannt, dass ihr von einem Mitglied der „heavytones“, Raabs Hausband, geraten wurde, doch lieber ein bekannteres Lied als „My Same“ zu nehmen, das höchstens Insidern ein Begriff ist. Sie entgegnete nur: „Dann scheide ich eben aus!“ Beeindruckend!

Seitdem ist einige Zeit vergangen. Lena hat „Unser Star für Oslo“ gewonnen, ihr Siegertitel „Satellite“ steht auf Rang 1 in den deutschen Charts. Schon wenige Tage nach Veröffentlichung hat „Satellite“ Gold, für über 150.000 verkaufte Kopien, abgeräumt. Es scheint bald auf Platin hinauszulaufen. Damit sticht Lena auch aus den vielen Sängern der anderen Nationen des diesjährigen Eurovision Song Contests (ESC) heraus. Besonders stark scheint die Konkurrenz dieses Jahr nicht, Aserbaidschan und Israel sollen aber laut den englischen Buchmachern gute Chancen haben, sie treten mit Safura Alizadeh und „Drip Drop“ bzw. Ivrit und „Milim“ an. Die wettfreudigen Engländer waren in den letzten zehn ESC-Jahren sehr genau in ihren Voraussagen, neun von zehn Siegern hatten vor dem Wettbewerb auch die besten Quoten bei den Wettbüros. Dadurch besteht auch Hoffnung für Deutschland auf einen neuerlichen, nämlich den zweiten Sieg beim ESC: Lena Meyer-Landrut belegt bei den Buchmachern Platz Eins auf der Liste der Topfavoriten. Nach Nicoles „Ein bisschen Frieden“ aus dem Jahr 1982 wäre das Deutschlands zweiter Sieg beim Song Contest. Man darf sich also durchaus Hoffnungen machen, auch, weil Beiträge mit der Beteiligung Stefan Raabs bisher immer gute Platzierungen für uns einbrachten: 1998 schrieb er für Guildo Horn „Guildo hat Euch lieb“ (7. Platz), 2000 sang er selbst „Wadde hadde dudde da?“ (5. Platz) und 2004 trat er mit Max Mutzkes „Can’t wait until tonight“ (8. Platz) an. Nach Deutschland, Armenien und Israel lichtet sich das Feld langsam. Die Niederländer treten mit einem äußerst kuriosen Lied an: Die 17-jährige Sieneke Peeters tritt mit „Ik ben verliefd (Sha-La-Lie)“ („Ich bin verliebt“) an. Das Lied ist sehr an die Musik der 80er Jahre angelehnt.

Wie jedes Jahr werden wieder zwei Halbfinals ausgetragen. Von den 25 Finalteilnehmern sind mit Gastgeber Norwegen und mit den „Big Four“ Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien, die die größten Geldgeber der EBU darstellen, bereits fünf Plätze fest vergeben. Außerdem wird es eine Änderung im Abstimmungsmodus geben, ab diesem Jahr darf gleich bei dem ersten Beitrag abgestimmt werden.

Deutschlands Beitrag wird erst zum Ende der Show zu sehen sein. Man erhielt eine Wildcard zugelost und durfte sich daher den Startplatz aussuchen. Man wählte den 22. von 25 Startplätzen. Spanien und Norwegen werden auf den Plätzen Zwei und Drei antreten, Großbritannien und Frankreich auf den Rängen 12 und 18. Der späte Startplatz birgt Vor- aber auch Nachteile: Einerseits erinnern sich die Zuschauer wohl am Ende aller Auftritte eher an die, die auf den letzten Plätzen folgten. Andererseits gibt man mit solch einem späten Startrang auch Abstimmungszeit auf. Wir lassen uns einfach überraschen, ob Lena auch Europa derart erobern kann, wie sie es schon mit Deutschland getan hat.

Quellen: Wikipedia, www.stern.de, www.unser-star-fuer-oslo.de, jetzt.sueddeutsche.de, eurovision.ndr.de
Autor: 96wirdMeister

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