A trip to Nottingham – Auf Ebbys Spuren

Im Winter 2009 war ich mir mit meiner Frau einig, im Frühjahr geht es wieder mal nach London. Da kam mir der Gedanke, warum das nicht gleich mit einem Spiel meines Vereins Nottingham Forest FC zu verbinden. Und als ich so den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht hatte, war es praktisch schon entschieden. Wir fahren also auch nach Nottingham zum Fußball. Flugs noch den Spielplan überflogen und siehe da, am 20.3.2010 ein Heimspiel gegen Peterborough United. Wie sich später noch herausstellte, sollte es ein Heimspiel gegen den Tabellenletzten sein. Das versprach Tore, Tore, Tore.
Nun fix noch den Termin meiner Frau klar gemacht und gebeichtet, dass der 20.3. nichts mit London Sightseeing zu tun hat. Dieser Tag war für was ganz Besonderes reserviert. Mein erstes Spiel im City Ground von Nottingham! Alle Bedenken meiner Frau noch schnell beiseite gewischt und hurtig Flug und Hotel gebucht, bevor sie es sich noch anders überlegt.

Am 18.3. ging es los, von Berlin (oder doch nicht?) nach London. Zack, rein ins Terminal, um kurz darauf zu erfahren dass die Maschine nach London defekt sei. Ja Himmelherrgott-sakra-nochmal. Was soll das denn? Von der freundlichen Dame am Schalter zur gegenüberliegenden Seite des Terminal geschickt, um dort mit der Maschine über Köln/Bonn nach London zu fliegen. Pustekuchen. Der Flieger war natürlich ausgebucht, bevor wir einchecken konnten. Aber die nette Dame sagte, dass man doch auch über Frankfurt/M. fliegen könne. Dann hat sie uns ganz nett die Tickets gleich umgebucht und ausgedruckt, so, dass wir nur ein paar Schalter weiter dann nach Frankfurt/M. hätten einchecken können. Aber auch nur, wenn der Flieger nicht just in diesem Moment vom Terminal abgedockt hätte. Nun wurde ich doch schon etwas ungehalten, ob der Glanzleistung der LH. Also schickte mich das LH-Personal zum Ticketcounter der LH, auf das dort alles geregelt werde. Und tatsächlich hielt ich 5 Minuten später unsere beiden neuen Tickets (es waren nun schon deren 8)  nach London via Düsseldorf in den Händen.

Am darauf folgenden Tag war es nun soweit. Nottingham war das Ziel. Also auf mit der Tube nach “St. Pancras Railway Station”, dem Bahnhof (klingt harmlos, ist aber ein Riesen Teil), von wo aus die Züge ins ganze Land fahren. Ran an den Ticketschalter und „two return tickets to Nottingham please“ verlangt. „100 Pound please“, sagte die Stimme auf der anderen Seite des Schalters. Kurzes Gegrummel auf meiner Seite (wollte ja schließlich den Zug nicht kaufen) und die hundert Pfund hingelegt. Mit den Tickets noch zum Zug und ab ging es ca. 2 Stunden nach Nottingham.
Am Bahnhof angekommen, kurze Orientierung und die stille Frage: „Wo geht es denn zum Stadion?“. Musste aber keinen Engländer mit meinen durchwachsenen Englischkünsten belästigen, denn die berittene Polizei wies den Weg gen City Ground. Ein guter Kilometer die Queens Road und dann die London Road runter und dann stand ich auf der Trent Bridge, der Brücke über den Fluss, der einer Tribüne (Trent End) des Stadions den Namen gibt. Eine Träne musste ich schon verdrücken, ob dieses Anblicks. Seit dem 3. September 1898 steht das Stadion nun an dieser Stelle, zwar mehrmals umgebaut und erweitert, aber immer noch mit einem Charme, der an britische Tradition erinnert.
Also die Frau hinterher gezerrt und in Richtung Main Stand (ebenfalls eine Tribüne) gelaufen. Am Ticketschalter erklärte mir die junge Frau, dass es nur noch wenige zusammenhängende Sitzplätze gibt. Sehr mitteilungsfreudig diese Briten, aber ich brauchte ja nur 2 Karten. Hinter der Luke konnte ich noch die Aussage „56 Pfund“ vernehmen (Nur? Ich hätte jeden geforderten Betrag bezahlt). Zack, Tickets in der Tasche und ab in den Fanshop. Wusste nicht, dass sich auf 15 x 10 Metern mehr als 100 Menschen tummeln können. Regale standen ja schließlich auch noch drin. Alles unter meinen Arm geklemmt, an das ich rangekommen bin, schön an der Kasse angestellt und läppische 50 Pfund bezahlt. Ich sah meine Frau nur noch den Kopf schütteln. Egal, ich war plötzlich nicht mehr so alt wie ich aussah.
Noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen, rein ins Stadion, Platz genommen, noch ein paar Fotos geschossen und erstaunt den Greenkeepern bei ihrer Arbeit zugeschaut. 3 Greenkeeper auf jeder Platzhälfte, die dort mit ihren Gerätschaften gleich den Rasen in seinen Urzustand versetzten, wo die Spieler ihn mit ihren Stollen traktiert hatten. So geht es also auch, liebe Schalker! Und dann lief aus den Stadionlautsprechern „Mull of Kintyre“ von Paul McCartney (für die Jüngeren unter uns: Er war ein Mitglied der Beatles). Die Zuschauer (alle Forest-Fans) singen dieses Lied, wenn die Mannschaften ins Stadion einlaufen. Diesmal waren es rund 25.000. Ich hatte Gänsehaut und mir liefen die Tränen vor Glück und Freude. Meine Frau schaute mich erstaunt an (oh schau nur, er kann auch Gefühle zeigen). Weiberkram! Fußballfans können alles.
Das Spiel begann und was ich gesehen habe, war schmutziger, dreckiger 2. Liga-Kampf (im positiven Sinne). Zu Beginn etwas Spielkultur mit dem frühen Tor für Forest, danach ein ständiges hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. In der Halbzeit dann mal fix zur Tränke und da traute ich meinen Augen nicht: Whiskey, 0,1l, 3 Pfund 10 Pence. Einer war für mich und ein Pint Carlsberg für 3 Pfund 30 Pence dazu. Gut gestärkt ging es wieder auf die Tribüne, um auch noch die 2. Halbzeit durchzuhalten. Wer nichts mit typischen Mittelenglischen Wetter anfangen kann, braucht erst gar nicht dahin zu reisen. Man kann auch gerne mal darüber hinweg hören, wenn Frauen dann über ihre Frisur philosophieren, die bei Nieselregen ja besonders gefährdet sei. Mir doch egal, ich hab 9 mm und fühle mich wohl.
Das Spiel endete mit 1:0 für Forest (also doch nicht so viele Tore wie erhofft) und unter dem Applaus der ca. 25.000 Zuschauer. Nur die mitgereisten Posh-Fans fühlten sich nicht dazu animiert. Egal, und hier endet nun mein Reisebericht, denn mit der Rückreise will ich euch nun nicht auch noch belästigen.

PS: Wer mit dem Namen Ebby in der Überschrift nichts anfangen kann, der gibt bitte bei Google “Ebby Kleinrensing” ein.
Gesehen und gesprochen hab ich ihn diesmal leider nicht, nur seine Zaunfahne war da, wo sie immer ist.

Autor: bpmeister (alias Martin Jol)

3 Responses to “A trip to Nottingham – Auf Ebbys Spuren”

  1. Super Bericht!!!
    Nur leider das falsche Ergebnis ^^

  2. Tja Novo, als Posh Fan kann man eben nicht alles haben. :-D

  3. Sehr nett geschrieben,nächstes mal eventuell mit mir^^

Kommentare: