José Mourinho – Arrogant und Selbstdarsteller?
“Wenn ich einen leichten Job will, wäre ich in Porto geblieben. Ein wunderschöner blauer Stuhl, die Champions-League-Trophäe, Gott und direkt nach Gott komme ich.”
Dieses Zitat klingt arrogant? So mögen es die einen sehen. Die anderen nennen es selbstbewusst und wiederum andere nennen es die Aussage eines Arschlochs. Fest steht indes nur eins: José Mário dos Santos Félix Mourinho, genannt José Mourinho, polarisiert die Scheinwelt des modernen Fußballs. In meinem heutigen Blog-Eintrag möchte ich mit euch zusammen einen kleinen Blick auf das Leben und den Werdegang eines Trainers werfen, der nicht nur durch Titel und Trophäen auf sich aufmerksam gemacht und sich in den Geschichtsbüchern verewigt hat.
Geboren wurde der aktuelle Inter-Mailand-Trainer in Sebútal, Portugal am 26. Februar 1963. Wie viele andere aktive Personen im bezahlten Profifußball stammte auch Mourinho aus einer nicht ganz unbegabten Fußballerfamilie. Sein Vater, Felix Mourinho, war Profi-Torwart und brachte seinen Sohn somit schon früh mit dem bezahlten Fußball in Verbindung. Selbst schaffte es José allerdings nie wirklich hoch hinaus. Seine aktive Karriere fand ihren Höhepunkt in der zweiten portugiesischen Liga. Seine zweite, wesentlich erfolgreichere Laufbahn sollte 1990 beginnen, mit dem Job als Co-Trainer bei CF Estrela Amadora, nicht Mal ein Jahr später verschlug es den jungen Trainer nach AD Ovarense. Keine glanzvollen Namen für den heute geschätzten Fußballlehrer, doch jede Karriere beginnt klein. Wer José Mourinho allerdings kennt, weiß, dass er sich nie mit dem zweitbesten zufrieden gibt und immer hoch hinaus will und so stieg er auch recht schnell vom „Niemandsland“ des Fußballs in die höheren Etagen auf. 1993 bekam er seinen ersten attraktiveren Job bei Sporting Lissabon.
“Im Moment sind wir an der Spitze, aber nicht aufgrund unserer finanziellen Stärke. Wir sind da, weil ich hart arbeite.“
Ob damals, bei seinem Amtsantritt, bereits seine trainerischen Fähigkeiten erkannt wurden oder doch nur seine Leistung als billiger Übersetzer für den großen Bobby Robson geschätzt wurden, lässt sich nur schwer sagen. Sicher ist jedoch, dass der englische Trainer-Gott mit der Zeit erkannte, welch Juwel er an seiner Seite hatte und so bestand er darauf, dass der gerade mal 30jährige José ihn nach Barcelona begleitete, um ihm dort weiterhin als Co-Trainer zu unterstützen. Nach einigen Jahren beim katalanischen Spitzenclub verschlug es José zurück in seine Heimat. Im Jahre 2000 ging es erneut nach Lissabon, doch zwei entscheidende Sachen hatten sich verändert. Zum einen kehrte José nicht als Co, sondern als Cheftrainer zurück in seine Heimat und zum anderen ging es nicht zu Sporting zurück, sondern er schlug seine Zelte beim Rivalen Benfica auf, wo er die Nachfolge vom heutigen Leverkusen-Coach Jupp Heynckes antrat. Lange hielt die Ehe mit dem Traditionsverein jedoch nicht. Doch wer nun denkt, dass José seine erste Station als Cheftrainer aufgrund schlechter Ergebnisse räumen musste, der sollte sich noch etwas mehr mit José Mourinho beschäftigen. Ein José Mourinho „wird nicht gegangen“ – ein José Mourinho geht, wann er will und wo er will. Der kurz nach Mourinhos Amtsantritt neu gewählte Club-Präsident liebäugelte mit einem anderen Trainerkandidaten. José allerdings gab ihm keine Möglichkeit dazu ihn abzusägen und kam ihm zuvor. Nach einem glanzvollen 3-0 über den Rivalen Sporting Lissabon stellte José Mourinho seinem Präsident die Vertrauensfrage und bat um eine Vertragsverlängerung. Als diese jedoch abgelehnt wurde, packte der Trainerneuling nach nur 9 Spieltagen seine Koffer und trat von seinem Amt zurück. Wenn man bedenkt, dass dies die erste Anstellung als Chefcoach für ihn war, kann man schon erkennen, dass es ihm nicht an Selbstvertrauen mangelt. Wer sonst würde freiwillig seinen Job kündigen. Nur jemand, der sich seiner eigenen Stärke bewusst ist. Doch seine nächste Station als Trainer strahlte nicht wirklich vor Glanz und Glamour. José schloss sich União Leiria an. Ein kleiner Verein mit bescheidenen Mitteln, welchen er auf Platz 5 der portugiesischen Liga führte. Eine trainerische Meisterleistung, welche auch den Spitzenvereinen nicht verborgen blieb und so wurde José nach nur einem Jahr erneut zu einem Wohnortwechsel bewogen und unterschrieb im Januar 2002 einen Vertrag beim Serienmeister Porto. Mourinho kam wie der Phönix aus der Asche. Bis dato noch ohne Titel und lediglich mit einem 5. Platz ausgestattet, legte er mit Porto eine starke Rückrunde hin und verlor nur ein einziges Heimspiel. Nach Platz 3 in der Liga und starken Leistungen, kündigte Mourinho für die neue Saison die Meisterschaft an, doch was sich in den folgenden Jahren ereignete, hätte sich wohl selbst der Meister der großen Worte nicht getraut anzukündigen.
“Manchmal siehst du schöne Menschen ohne Hirn, manchmal hässliche, die intelligent sind, wie Wissenschaftler. Auf dem Spielfeld ist es ähnlich. Von oben ist es eine Schande, aber der Ball rollt.“
Er hielt nicht nur sein Versprechen und holte die Meisterschaft nach Porto. Zusätzlich holte er auch noch den nationalen Pokal und zur Überraschung vieler auch den UEFA-Cup. Ein Coup, welcher eigentlich nicht mehr zu toppen ist, doch José will immer mehr und so gelang es ihm tatsächlich ein Jahr später auch noch die Champions League zu gewinnen. Gerade einmal vier Jahre Chefcoach und schon hatte er alles gewonnen, was es auf Vereinsebene zu gewinnen gibt. Dies war auch einer der Gründe, welcher José Mourinho erneut zu einem Vereinswechsel bewog. Er will Aufgaben erledigen, Titel gewinnen und Herausforderungen meistern, doch in Porto gab es all das nicht mehr. Daher wechselte er zur Saison 2005/06 zum FC Chelsea, welcher kurz zuvor vom Öl-Milliardär Roman Abramowitsch übernommen wurde.
Aufmerksamkeit erregte der junge Erfolgscoach bei seiner Vorstellung vor allem durch seine Aussage: „Bitte nennen Sie mich nicht arrogant, aber ich bin Champions-League-Sieger und etwas ganz Besonderes.“
“Ich glaube, weil jeder englische Spieler, Fan und Journalist leidenschaftlich ist, wird das Spiel hier von der Leidenschaft, Liebe zum Fußball und Instinkt geprägt. Aber beim Fußball musst du auch denken.“
Auch in London konnte er seine Erfolge fortsetzen. Allerdings nur auf nationaler Ebene mit zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen, was ihn letztendlich seinen Kopf kosten sollte, denn dem „Russen-Chef“ reichte dies nicht. Er wollte internationale Erfolge. Doch nicht nur positive Schlagzeilen begleiteten seine Zeit in London. So schlugen unter anderem seine Bestechungsvorwürfe gegen FIFA-Schiri Andres Frisk hohe Wellen und beschertem ihm eine Spielsperre für die nächsten beiden Champions-League-Spiele seiner Mannschaft, welcher er aber mit Hilfe von Zetteln und Funkkommunikation größtenteils umging.
Seinen Abschied im September 2007 mag Mourinho mittlerweile laut eigener Aussage wohl nachtrauern, doch dürfte sich seine Trauer auf die sportliche und persönliche Ebene beschränken, denn finanziell lies sich der Portugiese seine nächste Arbeitsstelle in Italien von Inter Mailand fürstlich bezahlen. Satte 11 Millionen Euro plus Sponsoreneinnahmen machen ihn zum aktuell bestbezahlten Trainer der Welt. Trotz seines Wechsels nach Mailand hielt eine beeindruckende Serie bestand. Seit dem Beginn seiner Trainerlaufbahn verlor José Mourinho vereinsübergreifend nur ein einziges Heimspiel. Mittlerweile ist er seit mehr als 130 Ligaspielen zu Hause ungeschlagen (Porto, Chelsea, Inter).
“Es ist wie mit Omeletten und Eiern. Ohne Eier keine Omelette! Es hängt von der Qualität der Eier ab. Im Supermarkt hat es Eier der ersten, zweiten und dritten Klasse. Einige sind teurer, einige lassen dich bessere Omeletten machen. Wenn die Erstklass-Eier weg sind, hast du ein Problem.“
Das besondere an José Mourinho, neben seinen taktischen Meisterleistungen, ist besonders seine Art sich zu präsentieren. Nach außen hin wirkt er arrogant und eingebildet, doch wenn man seine Spieler von ihm sprechen, so glaubt man fast, dass er eine gespaltene Persönlichkeit besitzt. Eine fürsorgliche, fast väterliche Art für seine Spieler und die des starken arroganten Mannes für die Öffentlichkeit. Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass er sich, auf seine in nun mal tatsächlich erreichten Titel, zu Recht etwas einbildet, doch ist es eine seiner Stärken, durch seine polarisierende Art den Druck und die Aufmerksamkeit von seiner Mannschaft zu nehmen und auf sich zu lenken. Nicht wenige Spieler schätzen besonders diese Eigenschaft und zahlen es mit Leistung zurück. Wie wichtig es ist, dass Spieler heutzutage in Ruhe arbeiten können, zeigen nicht zuletzt die hierzulande immer lauter werdenden Beschwerden, dass die Spieler zu sehr unter Druck gesetzt werden.
Ob man José Mourinho nun mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Ob man seine Art als arrogant, clever oder selbstbewusst wahrnimmt ebenso. Eines jedoch steht fest: José Mourinho ist ein echter Typ. Jemand der einen eigenen Charakter hat und seinen Weg ohne Kompromisse geht. Von seinen trainerischen Qualitäten ganz zu schweigen, welche er durch Titelgewinne deutlich belegt hat.
Autor: Hyper99
Abgelegt unter: Off-Topic / Sonstiger Sport

Auch wenn du dich mit dem Meister persönlich gut auskennen musst bin ich beeindruckt von dem Artikel. Sehr schön geschrieben und mit vielen dingen, die einem eigentlich trotz der Bekanntheit Mourinhos nicht bekannt waren.
Ausgezeichneter Artikel. Hab einiges dazugelernt, vor allem die Heimbilanz von Mourinho war mir neu. Sehr beendruckend!
Vor allem die Zitate finde ich klasse. Wobei bei Mourinho ja fast jede Aussage es wert wäre, zitiert zu werden. Er ist halt einfach “The Special One”
[...] dem Umfeld von Jose Mourinho gibt es dazu keine Bestätigung. Aber der Voodoo-Meister selbst ist sich sicher, dass er mit dem [...]
Mourinho und Bobby Robson sind von Sporting nach Fc Porto gegangen und erst dann nach Barcelona. Das ist auch bei Wikipedia falsch.
Ausser diesen Fehler ist es ein guter Artikel.